Rothenburg ob der Tauber – Seit 60 Jahren macht das Historiengewölbe mit Staatsverlies die Geschichte rund um das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“ für Besucherinnen und Besucher unmittelbar erfahrbar – das ganze Jahr über. Das Jubiläum wurde jetzt mit einem festlichen Empfang im Historiengewölbe gefeiert.

Zu den Gästen gehörten Rothenburgs Oberbürgermeister Christoph Rösch, der zugleich die Grüße des Landrats des Landkreises Ansbach überbrachte, der Vorsitzende des Vereins Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“, Martin Wegele, Museumsdirektor Hans Haitchi sowie der stellvertretende Bezirkstagspräsident Herbert Lindörfer, sowie langjährige Partner und Förderer. In ihren Grußworten würdigten sie die Geschichte des Museums, das Engagement der Festspielerinnen und Festspieler und die Bedeutung des Historiengewölbes für die Kultur- und Geschichtsvermittlung in Rothenburg.

Die Idee geht auf ein Gespräch dreier Festspieler zurück und wurde über die Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des kulturellen Angebots der Stadt. Das Museum ermögliche es, die Hintergründe des Festspiels und die Ereignisse des Jahres 1631 genauer zu betrachten und sich auf besondere Weise mit der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen.

Aus einer Idee wird eine Institution

Der Vorsitzende Martin Wegele blickte in seiner Ansprache auf sechs Jahrzehnte zurück, die vor allem von ehrenamtlichem Engagement, Ideen und dem Willen zur Weiterentwicklung geprägt sind. Die Geschichte des Historiengewölbes beginnt dabei im eigenen Verein: 1961 reifte unter Festspielern der Entschluss, einen Ort zu schaffen, an dem die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und die Hintergründe des Festspiels dauerhaft vermittelt werden können.

Unter der Federführung von Ernst Unbehauen und mit Unterstützung zahlreicher Helfer, darunter Fritz Schaumann, Eierstock und Willi Morlock, wurde die Idee Schritt für Schritt umgesetzt. Fünf Jahre wurde gearbeitet, gesammelt und restauriert, bevor das Historiengewölbe am 16. September 1966 seine Pforten unter dem Rothenburger Rathaus öffnete. Was als Vereinsausstellung begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer festen kulturellen Institution. 1986 kamen die Verließe hinzu. Bis heute haben mehr als 2,5 Millionen Menschen das Historiengewölbe besucht.

Museumsdirektor Hans Haitchi würdigte die Menschen, die immer wieder Verantwortung übernahmen und die historische Ausrichtung weiterentwickelten. Mit der Einbeziehung der historischen Verließe im Rathaus wurde das Konzept schließlich erweitert. Die Räume mussten dafür zunächst aufwendig hergerichtet und restauriert werden.

Geschichte, die unter die Haut geht

Seit Beginn ging und geht es dem Verein nicht allein darum, historische Gegenstände zu präsentieren. Das Historiengewölbe sollte die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und die Geschichte hinter dem Festspiel anschaulich vermitteln.

Das wird insbesondere im Staatsverlies spürbar. Die historischen Räume erzählen nicht nur von der Vergangenheit Rothenburgs, sondern vermitteln auch einen Eindruck von den schwierigen und mitunter bedrückenden Lebensumständen und Rechtswesen vergangener Jahrhunderte.

Der Oberbürgermeister bezeichnete das Historiengewölbe in diesem Zusammenhang sinngemäß als eine Art „Studierzimmer“ des Festspiels: einen Ort, an dem Besucherinnen und Besucher die Geschichte hinter der Geschichte genauer kennenlernen können.

Gerade diese Verbindung von Festspiel und Museum macht den besonderen Charakter des Historiengewölbes aus. Während „Der Meistertrunk“ die Ereignisse von 1631 auf der Bühne, vor allem zu Pfingsten inszeniert, bietet das Museum Raum für die vertiefende Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen.

Ein Museum als Rückhalt für das Festspiel

Für den Verein erfüllt das Historiengewölbe neben seiner kulturgeschichtlichen Aufgabe noch eine weitere wichtige Funktion: Es bildet das finanzielle Rückgrat des Historischen Festspiels. Während die Festspielaufführungen saisonal stattfinden, sorgt das Museum mit seinen ganzjährig geöffneten Ausstellungsräumen für kontinuierliche Einnahmen. Mit rund 25.000 bis 30.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr trägt es wesentlich dazu bei, die wirtschaftliche Grundlage des Vereins zu sichern und damit auch seine vielfältigen kulturellen Aufgaben zu ermöglichen.

Diese Verbindung von Kulturvermittlung und wirtschaftlicher Eigenständigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Erfolgsgeschichte.

Ehrenamt als Fundament

Immer wieder stand bei dem Jubiläum ein Gedanke im Mittelpunkt: Ein Museum wie das Historiengewölbe entsteht und besteht nicht von allein. Hinter seiner Entwicklung stehen Menschen, die Verantwortung übernehmen, Zeit investieren und ihre Ideen mit Ausdauer verwirklichen.

Besonders gewürdigt wurden deshalb die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums, die Gästeführerinnen und Gästeführer sowie zahlreiche Unterstützer im Verein wie auch in Stadt, Landkreis und Bezirk. Ein besonderer Dank des Vereinsvorsitzenden galt Museumsdirektor Hans Haitchi, der seit seiner Berufung im Jahr 2018 die Entwicklung des Hauses maßgeblich mitprägt. Neben Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden unter seiner Verantwortung unter anderem wertvolle Fahnen restauriert, Exponate dokumentiert und die Museumsräume weiterentwickelt. Zum Jubiläum legte Haitchi zudem eine Chronik zur Geschichte des Historiengewölbes vor, die die Pionierjahre ebenso beleuchtet wie die jüngeren Entwicklungen.

Tradition bedeutet auch Veränderung

60 Jahre Historiengewölbe bedeuten nicht, dass alles beim Alten geblieben ist. Im Gegenteil: Der Verein hat die Räume immer wieder an neue Anforderungen angepasst und weiterentwickelt.

Zu den jüngeren Maßnahmen gehören die Umrüstung auf LED-Beleuchtung, der Einbau eines Kamera- und Alarmsystems, die Verbesserung des Brandschutzes und die Einrichtung eines Notausgangs. Seit Beginn dieses Jahres kommt außerdem ein elektronisches Kassensystem zum Einsatz.

Einen besonderen Schritt in der Vermittlung historischer Inhalte stellte 2025 das Projekt „Rothenburg. Anno 1631“ dar. Das Lebendige Museum bringt mehrmals jährlich die Geschichte direkt in die historischen Räume und lässt die dramatischen Ereignisse des Jahres 1631 mit Schauspiel und Inszenierung unmittelbar erfahrbar werden. Das Projekt wurde im Programm „Heimat.Engagiert“ des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat im Jahr 2025 ausgezeichnet und steht beispielhaft für den Anspruch des Vereins, Tradition nicht nur zu bewahren, sondern immer wieder neue Wege zu finden, sie für heutige Generationen zugänglich zu machen.

60 Jahre Geschichte – und viele Jahre vor uns

Die Grußworte von Stadt, Bezirk und Verein machten deutlich, welchen Stellenwert das Historiengewölbe inzwischen für Rothenburg besitzt. Aus einer Idee engagierter Festspieler ist ein Ort geworden, der seit sechs Jahrzehnten Geschichte bewahrt, vermittelt und weiterentwickelt.

Das Historiengewölbe gehört heute zum „Meistertrunk“ wie das Festspiel selbst – und längst auch zum kulturellen Gesicht Rothenburgs.

Zum Abschluss des Jubiläumsempfangs hatten die Gäste Gelegenheit, an einer Führung durch das „Lebendige Museum“ teilzunehmen. Damit schloss sich zugleich der Kreis zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Die Geschichte des Historiengewölbes wurde gefeiert – und zugleich unmittelbar erlebbar gemacht.

Dreifaches Jubiläumsjahr

Ein besonderer Blick richtet sich auf dieses Jahr, in dem der Verein gleich drei bedeutende Jubiläen begeht: 145 Jahre Vereinsgründung, zehn Jahre Anerkennung des Meistertrunks als Immaterielles Kulturerbe sowie 60 Jahre Bestehen des vereinseigenen Museums „Historiengewölbe mit Staatsverlies“. Diese Meilensteine unterstreichen die historische Tiefe, kulturelle Strahlkraft und nachhaltige Bedeutung des Vereins – sowohl auf der Bühne als auch in der lebendigen Vermittlung von Stadtgeschichte.